Der zweifache European Player of the Year Marcel Luske und Schachgroßmeister Jan Gustafsson haben mit Poker für Gewinner, erschienen bei Premium Poker Publishing, eines der ersten Standardwerke in deutscher Sprache vorgelegt.
Hinter dieser ebenso schwedisch wie plakativ anmutenden Überschrift, mit der Poker für Gewinner eröffnet, verbirgt sich eine durchaus ernst gemeinte Frage: „Möchten Sie einfach so Ihr Glück versuchen oder Poker tatsächlich von Grund auf lernen und so ein wirklich guter Spieler werden?“ Mit diesem Buch sollten sich nämlich vor allem diejenigen beschäftigen, die sich zu der zweitgenannten Gruppe zählen. Marcel Luske, das ist der Holländer mit dem Designeranzug und der falsch herum aufgesetzten Sonnenbrille, der am Tisch gerne mal ein Liedchen trällert. Aufgrund seines korrekten Auftretens und seiner herausragenden Fähigkeiten, die Gegner zu lesen, ist er in der Pokerszene gleichermaßen gefürchtet wie beliebt. Jan Gustafsson ist den Experten eher aus den Medien bekannt, die sich mit Schach beschäftigen. Er trägt bereits seit 2003 den Titel eines Großmeisters, was auch die Bedeutung von Taktik und Strategie für das gerne als Glückspiel geschmähte Poker hervorhebt. Die beiden Autoren trennt eine ganze Generation, was sich für das Buch jedoch als Vorteil erweist, denn hier bilden große Erfahrung und modernes, analytisches Spiel eine fruchtbare Verbindung.
Wohlgemerkt, Poker für Gewinner behandelt ausschließlich Fixed Limit Hold’em, reine No-Limit-Spieler sollten sich also keinen falschen Erwartungen hingeben. Bekanntlich sollte aber jeder halbwegs gute Spieler alle Varianten beherrschen und sich deshalb auch mit Limit Hold’em beschäftigten. Gerade für Anfänger hat dies den Vorteil, sich nicht ständig irgendwelchen All-in-Drohungen aussetzen zu müssen. Das Duo Luske/Gustafsson wendet sich an diese jedoch ebenso wie an Fortgeschrittene und erläutert Aufbau und Strategien des Spiels ausführlich Schritt für Schritt. Im ersten Kapitel werden dementsprechend die Grundlagen des Spiels erläutert, die Wertigkeiten einzelner Hände und grundsätzliche Regeln, während das zweite bereits Odds, Pot Odds und Implied Odds erläutert, übrigens endlich einmal auf verständliche Weise.
Danach wendet man sich den unterschiedlichen Spielstrategien zu. Dabei ist jeder Setzrunde ein eigenes Kapitel gewidmet. Allein das Spiel auf dem Flop, der wichtigsten Setzrunde, umfasst 80 Seiten. Der Leser findet hier ausführliche Beschreibungen von Bluffs und Semi-Bluffs, Slowplay und Free Card Raises sowie exemplarische Darstellungen unterschiedlichster Situationen und der erforderlichen Spielweise. Natürlich vergessen Luske/Gustafsson nicht zu erwähnen, dass es keine Patentrezepte gibt und die jeweilige Strategie nicht nur von den Karten abhängt, sondern auch von der Spielweise, Anzahl und Qualität der Gegner sowie nicht zuletzt auch der eigenen Spielstärke.
Das gilt auch für die Starthände, deren Verwendungsmöglichkeiten anhand von Tabellen mit Rücksicht auf die eigene Position veranschaulicht werden. Sie sind dennoch eine nützliche Orientierungshilfe, um die relative Stärke der eigenen Hole Cards besser einschätzen zu können, und sie beinhalten einige Überraschungen.
Das Spiel auf Turn und River wird ebenfalls in eigenen Kapiteln abgehandelt. Angeschlossen sind das mittlerweile obligatorische Glossar und Verweise auf weiterführende Literatur, die übrigens bisher fast ausschließlich auf Englisch erhältlich ist. Da weist der Buchhandel in Deutschland doch noch einige Lücken auf. Fazit: Poker für Gewinner ist insgesamt ein empfehlenswertes Buch. Obwohl oder gerade weil Limit Hold’em wahrscheinlich nicht „die derzeit beliebteste Variante“ ist, wie die Autoren im Vorwort leichthin behaupten, ergeben sich durch die Lektüre sowohl für Online- als auch für Live-Spieler zahlreiche Möglichkeiten, sich deutlich zu verbessern und damit ein profitables Spiel zu erreichen. Das Buch ist bei Premium Poker Publishing erschienen.
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Mit Poker für Dummies liegt eine weitere Anleitung für erfolgreiches Pokerspiel vor. Wem nützt die Lektüre und wer sollte lieber die Finger davon lassen?
Die Buchreihe "für Dummies" gehört intzwischen zum festen Inventar der meisten Buchhandlungen. Mit Poker für Dummies hat sich auch der Weinheimer Wiley Verlag dem Zeitgeist angeschlossen. War das eine gute Entscheidung?
Die Antwort lautet: nur bedingt. Die Autoren beginnen mit einr ausführlichen Erläuterung der Spielgeschichte, Herkunft, die verschiedenen Kombinationen und ihre Wertigkeiten, die gängigen Werte der einzelnen Jetonfarben im Casino bis hin zur Pokeretikette, die beispielsweise auch das Verbot umfasst, in "Portionen" zu setzen, um damit gegebenenfalls Reaktionen auf den Gesichtern der Gegenspieler hervorzurufen. Allerdings braucht ein Spieler, der noch nicht weiß, ob ein Flush höher ist als eine Straight, sich sicherlich noch keine Gedanken darüber machen, dass der violette Chip im Casino gemeinhin $ 500 wert ist.
In der Folge werden drei Varianten näher vorgestellt: Seven Card Stud, Texas Hold'em und Omaha. Eine gute Auswahl, denn gerade auf Anfänger wirkt es eher abschreckend, wenn sie gleich mit Razz oder Lowball 2-7 Triple Draw konfrontiert werden. Allerdings ist Omaha high/low mit den teilweise geviertelten Pötten auch nicht gerade das einfachste Spiel. Leider wurde die klassische Wildwest-Variante, die noch heute einen enorm hohen Wiedererkennungswert beistzt, nicht ausreichend berücksichtigt. Gut auch die Idee, wichtige Tipps durch Symbole zu kennzeichnen. Allerdings gibt es so viele davon, dass man kaum umhin kommt, auch die Texte zwischen den markierten Absätzen zu lesen. Diese sind absichltich möglichst einfach gehalten und deshalb auch für Unkundige leicht verständlich.
Problematisch sind dagegen gewisse Tipps oder Strategien, die gerade einem Neueinsteiger suggerieren, er würde das spiel beherrschen, wenn er sich nur konsequent an die Vorgaben hält. Wer tatsächlich glaubt, ein Spieler, der nach dem Setzen wegschaut, sei prinzipiell gefährlicher als einer, der den direkten Blickkontakt sucht, ist natürlich sehr leicht auf eine falsche Fährte zu locken. Aussagen wie "In Erwartung des Einsatzes eines anderen nach Chips zu greifen, ist oft ein schauspielerischer Akt", bieten überhaupt keinen Erkenntnisgewinn. Ärgerlich sind auch formale Fehler wie das Hin- und Herwechseln zwischen Du und Sie, wenn der Leser direkt angesprochen werden soll. Dagegen sind Sätze wie "Als Gewinner ist Ihr Tischimage sehr viel anders, als wenn Sie verlieren", wohl eher der Nachlässigkeit des Übersetzers anzulasten.
Gut ist dagegen die Idee, auch dem Neuling bereits die Bedeutung des Bankroll Managements, hier Kapitalmanagement genannt, nahezubringen. So kann er den typischen Anfängerfehler verhindern, den Überblick über sein bereits verspieltes Geld zu verlieren und vielleicht auf einem viel zu hohen Level zu spielen.
Fazit: Insgesamt ist Poker für Dummies ein Buch, das nur begrenzt empfehlenswert ist. Es eignet sich als Einstieg für absolute Neulinge, die schon überrascht sind, wenn erfahren, dass Poker nicht ein Spiel, sondern eine ganze Gruppe bezeichnet. Wer bereits einige Erfahrungen gemacht hat, wird allerdings kaum etwas Interessantes entdecken. Die größte Schwäche des Buchs ist sein Anspruch, für jeden etwas zu bieten. Das geht zwangsläufig schief. Ein Glossar, das gerade mal zwei Seiten umfasst, ist nichts wert. Es gibt hunderte von Websites, auf denen man weit ausführlichere Stichwortsammlungen findet. Wenn Sie ein Anfänger sind, dann lesen Sie das Buch und verschenken es nach drei Monaten weiter. Wenn nicht, sehen Sie lieber bei Harrington nach.
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In Professional No-Limit Hold’em ist der Name Programm.
Kennen Sie diese Pokerbücher, in denen in den ersten Kapiteln erste einmal erklärt wird, dass ein Flush besser ist als ein Drilling, in welcher Reihenfolge gesetzt wird und warum die Finalszene in Cincinnatti Kid so unwahrscheinlich ist? Nein? Dann lesen Sie erstmal die. Wenn Sie aber ein wenig tiefer in die Materie eindringen und wissen wollen, wie und warum man eine Hand plant und was dabei im Detail zu bedenken ist, haben Sie mit Professional No Limit Hold’em eine gute Wahl getroffen. Dieses Buch gehört zu den wenigen, die Sie nicht nur einmal lesen.
Zur Veranschaulichung: „Diskontieren Sie Ihre Outs, um Ihre Gewinnchancen nicht zu überschätzen. Auf Basis der Discounted Outs schätzen Sie Ihre Gewinnchancen. Dann schätzen Sie Ihre Implied Odds und vergleichen beide Zahlen miteinander.“ In der Pokerliteratur steht eine solche Aussage häufig als Quintessenz am Ende. Die Autoren Matt Flynn, Sunny Metha und Ed Miller beenden damit das erste Kapitel „Basiswissen“, an das sich die „Grundlagen“ anschließen. Darin legen die Autoren ausführlich dar, welche Gedankengänge dem fähigen Pokerspieler während eines Cash Games durch den Kopf gehen sollten und welche Schlüsse er im Normalfall zu ziehen hat.
Häufig werden in der Literatur vergleichsweise simple Handbeispiele aufgeführt, wobei man das Gefühl hat, als ob man sowieso ständig A K oder AQ halten würde, wobei zudem noch angemerkt wird, dass A Q häufig nicht gut genug ist, um damit zu spielen. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Außerdem wäre man bei solchem Spiel extrem leicht auszurechnen. Flynn/Metha/Miller zeigen dagegen Beispielhände von Premium bis marginal, erläutern deren mögliche Handhabung und zeigen überdies, was eine veränderte Situation oder ein leicht variiertes Setzverhalten für gravierende Konsequenzen haben kann. Außerdem bemühen sich die Autoren darum, ihre Beispiele in verschiedenen Blindleveln zu erläutern, allerdings nicht ohne zu erwähnen, dass letztlich nicht die Höhe eines Levels, sondern vor allem die Größe des Einsatzes in Relation zur Potgröße bzw. Blindhöhe entscheidend ist.
Auf die üblichen Erklärungen von Odds, Pot Odds, Implied Odds usw. folgen ausführliche Diskussionen der Bedeutung von Positionsspiel, korrekter Handanalyse und der genaue Ablauf des REM-Prozesses inklusive der „All-in-Schwelle“. Dabei steht „R“ für Range (Handspektrum), „E“ für Equity und „M“ für Maximieren. Mithilfe dieses durchaus komplexen Vorgangs wird dem interessierten Spieler vermittelt, wie einzelne Hände zu planen und welche Grundsätze zu beachten sind: Z. B. dieser: „Hat Ihr Gegner eine bessere Hand als Sie, die er aber vermutlich folden wird, befinden sie sich mit guter Pot Equity, guter Fold Equity und schlechten Implied Odds in der perfekten Situation für einen Semi-Bluff.“ Dass auch korrektes Spiel zu Verlusten führen kann, können auch Flynn/Metha/Miller nicht verhindern, wohl aber den Fehler, daraus falsche Schlüsse zu ziehen und die eigenen Entscheidungen für falsch zu halten, wenn dies nicht der Fall ist.
Im Zentrum des Buchs steht schließlich die Stack-Pot-Relation (SPR). Das Kapitel bringt dem Leser korrektes wie auch variables Setzverhalten näher und geht dabei immer wieder auf die oben genannten Grundlagen (Odds usw.) ein. Abschließende Faustregeln erleichtern das Verinnerlichen der Prinzipien: „Out of position – out of action“. So bringt man komplexe Vorgänge auf den Punkt.
Professional No Limit Hold’em ist nichts für Anfänger. Es richtet sich an die Spieler, die bereits Erfahrung gesammelt haben und über die Phase hinaus sind, in der sie wahrscheinlich erst einmal Geld verloren haben. Wenn Sie das Gefühl haben, das Spiel zwar eigentlich zu beherrschen, aber dennoch irgendwie in einer Sackgasse stecken und nicht das aus dem Spiel herausholen können, was Sie eigentlich verdient hätten, finden Sie in diesem Buch möglicherweise die Gründe dafür.
Das Autorenteam besteht aus einem Doktor der Medizin, einem Musiker (!), die beide semi-professionell spielen, sowie einem Pokerprofi. Dies ist ihr erstes Buchprojekt. Der Untertitel „Band 1“ zeigt jedoch, dass weitere folgen werden. Das Buch ist bei Premium Poker Publishing erschienen.
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